Warum heißt der Karlsplatz in München eigentlich Stachus?

Der Karlsplatz heißt im Münchner Alltag meist einfach Stachus. Der Name erinnert an den Gastwirt Mathias Eustachius Föderl und seine frühere Wirtschaft, den Stachus-Garten. Der amtliche Name Karlsplatz kam dagegen erst 1797 hinzu: Er ehrt Kurfürst Karl Theodor. Dass beide Bezeichnungen bis heute nebeneinander bestehen, erzählt ein Stück Münchner Stadtgeschichte.

– Anzeige –

Ein Gastwirt gab dem Stachus seinen Namen

Die Spur führt an die südwestliche Seite des heutigen Platzes, zur Ecke Sonnenstraße und Bayerstraße. Dort befand sich im 18. Jahrhundert die Gastwirtschaft der Familie Föderl. Ihr Wirt Mathias Eustachius Föderl wurde auch Eustachi beziehungsweise Stachus genannt. Diese Bezeichnung ging auf seine Wirtschaft über, die als Stachus-Garten oder Stachus-Wirt bekannt war. Schließlich übertrug sich der Name auf die Umgebung. Hinter einer der bekanntesten Münchner Ortsbezeichnungen steckt damit der Vorname eines Wirts.

Das Gasthaus ist längst verschwunden. Sein Standort lag dort, wo später das Kaufhof-Gebäude entstand. Der Name überdauerte dagegen sowohl den Betrieb als auch die Veränderungen des Platzes. Wer heute am Stachus verabredet ist, verwendet also eine Bezeichnung, die an einen früheren Treffpunkt erinnert, ohne dass dieser noch zu sehen wäre.

Warum der Platz offiziell Karlsplatz heißt

Die amtliche Bezeichnung entstand im Zuge einer grundlegenden Umgestaltung des westlichen Stadteingangs. Ab 1791 wurden die Befestigungen vor dem damaligen Neuhauser Tor beseitigt. Wo zuvor Verteidigungsanlagen lagen, entwickelte sich ein offener Platz. Das Tor erhielt zu Ehren von Kurfürst Karl Theodor den Namen Karlstor. Für den vorgelagerten Platz genehmigte der Kurfürst am 27. April 1797 die Bezeichnung Karlsplatz. Tor und Platz erinnern damit an denselben Herrscher.

Die beiden Namen haben folglich unterschiedliche Ursprünge: Stachus wuchs aus dem örtlichen Alltag und der Bezeichnung einer Gastwirtschaft. Karlsplatz wurde als Ehrung eines Regenten vergeben. Mit dem Abriss der Befestigungen veränderte sich zugleich die Bedeutung des Ortes. Aus dem Bereich vor einem gesicherten Stadttor wurde ein repräsentativer Zugang zur wachsenden Stadt.

Ein vertrauter Name lässt sich schwer verdrängen

Häufig wird erzählt, die Münchner hätten aus Abneigung gegen Karl Theodor demonstrativ am Namen Stachus festgehalten. München Tourismus beschreibt dies als eine Form zivilen Ungehorsams. Vorsichtiger formuliert die Chronik der Stachus Passagen: Die Unbeliebtheit des Kurfürsten sei möglicherweise ein Grund dafür gewesen, dass der ältere Name weiterverwendet wurde. Die Herkunft von Stachus lässt sich somit klarer benennen als die Beweggründe all jener Menschen, die ihn über Generationen beibehielten.

Heute muss sich jedenfalls niemand zwischen beiden Bezeichnungen entscheiden. Auch die Haltestelle heißt Karlsplatz (Stachus). Wer durch das Karlstor in die Neuhauser Straße geht, betritt hier die Münchner Fußgängerzone. An ihrem westlichen Eingang begegnen sich weiterhin zwei Erinnerungen: die amtliche Würdigung eines Kurfürsten und der überlieferte Name eines Gastwirts. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich der Wirt einen erstaunlich dauerhaften Platz gesichert.

– Anzeige –