Wie lässt sich Menschlichkeit heute fotografisch erzählen? Genau darum geht es beim erstmals vergebenen Blank Art Foundation Photo Award 2026. Unter dem Titel „Humanity – About You. Mensch und Menschlichkeit“ zeigt die Galerie der Künstler*innen in der Maximilianstraße vom 20. Oktober bis 20. November 2026 elf ausgezeichnete fotografische Positionen. Der neue Preis richtet sich an junge Künstlerinnen und Künstler zwischen 20 und 35 Jahren und ist insgesamt mit 30.000 Euro dotiert.
Für die Premiere wurden zunächst 28 Fotografinnen und Fotografen von internationalen Fachleuten nominiert. Eine Jury unter Vorsitz des Fotografiehistorikers und Publizisten Hans-Michael Koetzle wählte daraus elf Positionen für die Ausstellung aus. Vergeben werden drei Hauptpreise und acht weitere künstlerische Anerkennungen. Die ausgezeichneten Arbeiten beschäftigen sich mit ganz unterschiedlichen Facetten des Menschseins – von Krankheit und Nähe über Identität und gesellschaftliche Rollen bis hin zur Frage, wie digitale Bildwelten unseren Blick auf uns selbst verändern.
Der erste Preis geht an Nora Handsley und Mats Hoff für ihre Serie „I Love You“. Der zweite Preis wurde C. Rose Smith zugesprochen, der dritte Ludwig Dressler aus München. Am 22. Oktober werden die Auszeichnungen im Rahmen einer eigenen Preisverleihung offiziell übergeben. Wer die Ausstellung unabhängig davon besuchen möchte, kann bereits ab dem 20. Oktober kostenlos in die Galerie kommen.
Ausstellung20.10.–20.11.2026
einen Monat
Preisverleihung22. Oktober 2026
ab 18:30 Uhr
OrtGalerie der Künstler*innen
Maximilianstraße 42
Eintrittkostenlos
auch zur Eröffnung
Elf Positionen zum Thema Mensch und Menschlichkeit
„Humanity – About You“ ist bewusst sehr offen formuliert. Statt ein enges fotografisches Genre vorzugeben, beschäftigt sich der Award mit der Frage, wie junge Künstlerinnen und Künstler heute auf Menschen, Beziehungen und gesellschaftliche Strukturen blicken. Internationale Fachleute nominierten dafür zunächst 28 Positionen mit aktuellen fotografischen Serien. Eine international besetzte Jury wählte schließlich elf Arbeiten aus, die in München gezeigt werden.
Dadurch entsteht keine klassische Porträtausstellung. Zwar spielt der menschliche Körper in mehreren Serien eine zentrale Rolle, andere Arbeiten beschäftigen sich aber stärker mit Erinnerung, politischer Repräsentation, Krankheit, Nähe, digitaler Wahrnehmung oder gesellschaftlichen Rollenbildern. Gerade dieser weite Blick auf „Menschlichkeit“ macht die Ausstellung interessant: Die elf Positionen liefern keine gemeinsame Antwort, sondern sehr unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Ausgangsfrage.
Erster Preis für „I Love You“ von Nora Handsley und Mats Hoff
Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Beitrag stammt von Nora Handsley und Mats Hoff aus Hamburg. Ihre Serie „I Love You“ begann als fotografisches Tagebuch einer Beziehung. Im Laufe der Zeit veränderte sich der Charakter der Arbeit jedoch grundlegend: Eine schwere Erkrankung von Nora Handsley, Krankenhausaufenthalte und Strahlentherapie wurden Teil der gemeinsamen fotografischen Geschichte. Aus einem privaten Ritual entwickelte sich damit eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit Liebe, Krankheit, Verletzlichkeit und gemeinsam verbrachter Zeit.
Ausgezeichnet wurde eine Auswahl von sieben Fotografien aus der Serie. Gerade weil die Bilder aus einem realen gemeinsamen Alltag entstanden sind, funktioniert die Arbeit nicht wie eine klassisch inszenierte Dokumentation über Krankheit. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Nähe und Beziehung. Der Preis macht damit gleichzeitig deutlich, welchen Anspruch die Stiftung mit dem neuen Wettbewerb verfolgt: Gefördert werden sollen Positionen, die gesellschaftliche oder menschliche Themen nicht nur illustrieren, sondern eine eigene fotografische Sprache dafür entwickeln.
Zweiter Preis: Identität und Repräsentation bei C. Rose Smith
Der zweite Preis geht an C. Rose Smith aus Memphis im US-Bundesstaat Tennessee. Ihre fortlaufende Serie „Scenes of Self: Redressing Patriarchy“ beschäftigt sich mit Identität, kolonialer Vergangenheit und der Frage, wie Menschen in Bildern repräsentiert werden. Dabei wird Fotografie nicht nur als dokumentarisches Werkzeug verstanden, sondern auch als Medium, das gesellschaftliche Vorstellungen über Geschlecht, Macht und Zugehörigkeit überhaupt erst mitprägt.
Die Arbeit passt damit sehr direkt zum übergeordneten Thema des Awards. Menschlichkeit wird hier nicht als abstrakte moralische Idee behandelt, sondern über Sichtbarkeit und Selbstbestimmung verhandelt. Wer darf sich selbst darstellen? Welche Bilder werden über Generationen weitergegeben? Und welche tradierten Rollen können mit neuen Bildern infrage gestellt werden? Gerade durch solche sehr unterschiedlichen Ansätze bekommt die Ausstellung eine größere gesellschaftliche Dimension.
Dritter Preis für Ludwig Dressler aus München
Mit dem dritten Preis wird Ludwig Dressler ausgezeichnet. Der Münchner Fotograf zeigt mit seiner Serie „pinch“ eine scheinbar banale Geste: Zwei Finger führen die bekannte Zoom-Bewegung aus, wie wir sie täglich auf Smartphones und Tablets verwenden. Die Hand wird dabei durch Glas fotografiert und in leicht veränderten Varianten immer wieder gezeigt. Aus einer automatisierten Alltagshandlung entsteht dadurch ein fotografisches Motiv.
Gerade darin steckt die interessante Ebene der Arbeit. Die sogenannte Pinch-Geste ist innerhalb weniger Jahre zu einer fast universellen Bewegung geworden. Wir vergrößern Bilder, Karten, Nachrichten und Gesichter mit zwei Fingern und denken kaum noch darüber nach. Dressler isoliert genau diese Bewegung und macht sie sichtbar. Damit berührt seine Serie Fragen nach Technologie, Wahrnehmung und der Art, wie digitale Geräte unsere körperlichen Gewohnheiten verändern.
30.000 Euro Preisgeld für junge Fotografie
Der Blank Art Foundation Photo Award wird 2026 erstmals vergeben und ist insgesamt mit 30.000 Euro dotiert. Teilnehmen beziehungsweise nominiert werden konnten junge fotografische Positionen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Neben den drei Hauptpreisen erhalten acht weitere Künstlerinnen und Künstler sogenannte Honourable Mentions. Die Blank Art Foundation übernimmt außerdem die Produktion der ausgestellten Arbeiten und veröffentlicht eine begleitende Publikation.
Für die Hauptpreisträger geht die Förderung noch darüber hinaus. Sie werden in eine Shortlist für ein geplantes Artist-in-Residence-Programm und das zukünftige College der Blank Art Foundation aufgenommen. Der Award soll damit nicht nur eine einmalige Geldprämie vergeben, sondern längerfristige Entwicklungsmöglichkeiten schaffen. Hinter dem Projekt steht die Ilse Blank-Mezger-Hesselberger Stiftung, die 2023 gegründet wurde und sich unter anderem der Förderung junger Kunst sowie dem internationalen Austausch widmet.
Preisverleihung am 22. Oktober – Eintritt frei
Ein besonderer Termin innerhalb der Ausstellung ist der Donnerstag, 22. Oktober 2026. Ab 18:30 Uhr beginnt der Einlass zur offiziellen Preisverleihung, um 19 Uhr startet das Programm. Hans-Michael Koetzle, Präsident der Jury, präsentiert den Award und die ausgezeichneten Positionen. Zusätzlich sprechen unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung sowie des BBK München und Oberbayern. Die Veranstaltung soll gegen 22 Uhr enden.
Auch die Preisverleihung ist nach den veröffentlichten Angaben kostenlos. Gerade wer sich für Fotografie interessiert, bekommt damit die Gelegenheit, nicht nur die Bilder zu sehen, sondern auch mehr über Juryentscheidung, Stiftung und Hintergrund des neuen Preises zu erfahren. Am 29. Oktober ist außerdem eine Führung mit Hans-Michael Koetzle angekündigt; am 19. November endet das Begleitprogramm mit einer Finissage und Artist Talks.
Zwei Ausstellungen gleichzeitig in der Galerie der Künstler*innen
Wer die Galerie im Oktober besucht, bekommt sogar zwei aktuelle Ausstellungen gleichzeitig zu sehen. Parallel zum Blank Art Foundation Photo Award zeigt der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler München und Oberbayern seinen Förderpreis 2026. Dort präsentieren Analía Martínez, Alexander Scharf und Haha Wang neue Arbeiten. Auch diese Ausstellung läuft vom 20. Oktober bis 20. November.
Damit wird die Galerie für einen Monat zu einem ziemlich konzentrierten Ort für junge Gegenwartskunst. Während der Blank Art Foundation Photo Award den Schwerpunkt auf Fotografie legt, arbeiten die drei BBK-Finalisten mit sehr unterschiedlichen Medien und Themen. Der gemeinsame Besuch lohnt sich deshalb besonders: Zwei eigenständige Nachwuchsformate teilen sich denselben Ausstellungsort, ohne inhaltlich identisch zu sein.
Galerie mitten in der Maximilianstraße – und komplett kostenlos
Die Galerie der Künstler*innen liegt in der Maximilianstraße 42 und damit mitten in der Innenstadt. Der Ausstellungsbesuch lässt sich problemlos mit einem Spaziergang durch Lehel, der Altstadt oder einem Besuch im nahegelegenen Kunstareal verbinden. Gerade weil der Eintritt frei ist, eignet sich die Ausstellung auch für Besucher, die zeitgenössische Fotografie erst einmal kennenlernen möchten und nicht direkt einen ganzen Museumstag planen.
Die aktuell veröffentlichten Öffnungszeiten sind mittwochs und freitags von 13 bis 18 Uhr, donnerstags von 13 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. An Feiertagen bleibt die Galerie geschlossen. Für die Eröffnung und einzelne Sonderveranstaltungen gelten verlängerte Zeiten. Wer gezielt zu Führung oder Artist Talk kommen möchte, sollte vor dem Besuch noch einmal den aktuellen Veranstaltungskalender prüfen.
Blank Art Foundation Photo Award im Überblick
- Ausstellung: Humanity – About You. Mensch und Menschlichkeit
- Zeitraum: 20. Oktober bis 20. November 2026
- Ort: Galerie der Künstler*innen
- Adresse: Maximilianstraße 42, 80538 München
- Eintritt: kostenlos
- Ausgestellte Positionen: 11
- Nominierungen: ursprünglich 28
- Preisgeld: insgesamt 30.000 Euro
- 1. Preis: Nora Handsley & Mats Hoff – „I Love You“
- 2. Preis: C. Rose Smith – „Scenes of Self: Redressing Patriarchy“
- 3. Preis: Ludwig Dressler – „pinch“
- Preisverleihung: 22. Oktober, ab 18:30 Uhr
- Führung: 29. Oktober
- Finissage: 19. November
Quellenangaben
- Ilse Blank-Mezger-Hesselberger Stiftung / Blank Art Foundation – offizieller Award, Preisträger, Ausstellung und Dotierung
- Deutsche Gesellschaft für Photographie – Preisträger, Jury und Preisverleihung
- BBK München und Oberbayern – Galerie der Künstler*innen und paralleler Förderpreis
- IN München – Öffnungszeiten und Veranstaltungsinformationen
