Wer München nur mit Biergärten, Weißwurst und Oktoberfest verbindet, der hat das Tollwood noch nicht erlebt. Zwei Mal im Jahr verwandelt sich die bayerische Landeshauptstadt in ein buntes Festival der Sinne, das weit über Musik und Kultur hinausgeht. Das Tollwood ist ein Statement – für Weltoffenheit, Nachhaltigkeit, kulturelle Vielfalt und gelebte Lebensfreude. Es ist eines der markantesten Festivals Deutschlands, ein Ort, an dem Ökologie auf Kunst trifft, Bio auf Beats, und Toleranz auf Tradition.
1. Was ist das Tollwood überhaupt? – Eine Idee mit Haltung
Das Tollwood-Festival ist keine gewöhnliche Veranstaltung. Es ist ein Kulturfestival mit gesellschaftlichem Anspruch, das seit 1988 zweimal jährlich in München stattfindet:
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Das Sommer-Tollwood im Olympiapark (Ende Juni bis Ende Juli)
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Das Winter-Tollwood auf der Theresienwiese (Ende November bis Silvester)
Was mit ein paar Ständen und einer Bühne begann, ist heute ein kulturelles Großereignis mit über 1,5 Millionen Besuchern pro Jahr. Das Besondere: Der Eintritt zum Großteil des Geländes ist frei. Das Festival versteht sich als Plattform für Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und gesellschaftliche Themen – und bleibt dabei dennoch leicht, fröhlich und unterhaltsam.
Der Name „Tollwood“ ist Programm: „toll“ steht für außergewöhnlich, verrückt, inspirierend – und genau das spürt man schon beim Betreten des Geländes.
2. Eine Bühne für die Welt – Kunst, Musik und Performance
Das Tollwood ist ein Fest der Vielfalt. Auf den verschiedenen Bühnen treten internationale und nationale Künstler auf – von Jazz über Rock bis hin zu Weltmusik, Theater und Kabarett.
Musik unter freiem Himmel
Die Musik-Arena ist das Herzstück des Festivals. Hier spielen Weltstars und Newcomer, etablierte Bands und spannende Entdeckungen. Namen wie Bob Dylan, David Byrne, ZAZ, Herbert Grönemeyer, Seeed, The Cat Empire oder Passenger haben hier schon die Bühne gerockt.
Was das Tollwood aber wirklich besonders macht, ist die Mischung: Während in der Musik-Arena große Konzerte mit Tickets stattfinden, gibt es auf den anderen Bühnen unzählige kostenlose Auftritte – von Straßenmusik über Performance-Kunst bis zu Akrobatik und Tanz.
Theater, Comedy & Kleinkunst
Neben der Musik bietet das Tollwood auch ein breites kulturelles Rahmenprogramm:
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Straßentheater mit internationalen Ensembles
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Artistik und Zirkus ohne Tiere
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Politisches Kabarett und gesellschaftskritische Comedy
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Poetry Slams, Lesungen und Gesprächsformate
Jede Ecke auf dem Gelände erzählt ihre eigene Geschichte – mal laut und bunt, mal still und nachdenklich.
3. Nachhaltigkeit als Herzenssache – Das grüne Festival
Das Tollwood ist kein Greenwashing-Event, sondern lebt Nachhaltigkeit konsequent. Schon seit den frühen 1990er-Jahren ist das Festival Pionier in Sachen Umweltbewusstsein.
Bio-Gastronomie
Alle Speisen auf dem Festivalgelände stammen zu 100 % aus kontrolliert biologischem Anbau – eine Seltenheit unter Großveranstaltungen dieser Art. Fleischgerichte sind ausschließlich aus artgerechter Tierhaltung; viele Stände bieten rein pflanzliche Alternativen.
Von indischem Curry über bayerische Kaspressknödel bis zu afrikanischem Streetfood – die Auswahl ist riesig und spiegelt die kulturelle Vielfalt der Besucher wider.
Nachhaltige Materialien & Energie
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Strom aus erneuerbaren Energien
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Kompostierbares Geschirr und Besteck
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Abfalltrennung und Mehrweg-Systeme
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CO₂-neutrale Veranstaltung durch Kompensationsprojekte
Der Umweltgedanke zieht sich durch jedes Detail. Selbst die Marktstände werden aus nachhaltigen Materialien gebaut oder wiederverwendet.
4. Der „Markt der Ideen“ – Shoppen mit gutem Gewissen
Ein Highlight des Tollwood ist der sogenannte Markt der Ideen – eine Mischung aus Basar, Kunstausstellung und nachhaltigem Shopping-Paradies.
Hier findet man:
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handgefertigten Schmuck, Kunsthandwerk und Kleidung
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Upcycling-Produkte und Fair-Trade-Mode
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Naturkosmetik und ökologische Lifestyle-Artikel
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kreative Geschenkideen aus aller Welt
Viele Aussteller kommen seit Jahren – kleine Labels, Manufakturen und Künstler, die ihre Arbeit selbst präsentieren. Es geht nicht um Massenware, sondern um Individualität und Bewusstsein.
Wer hier durch die Gassen schlendert, spürt sofort: Das Tollwood ist kein Konsumfestival, sondern ein Ort, an dem Kaufentscheidungen Haltung zeigen.
5. Das Winter-Tollwood – Magische Stimmung zur Weihnachtszeit
Während das Sommer-Tollwood im Olympiapark vor allem mit Sonne, Musik und Outdoor-Feeling begeistert, verwandelt sich das Winter-Tollwood auf der Theresienwiese in ein Märchen aus Lichtern und Düften.
Zwischen kunstvoll geschmückten Pagodenzelten und hölzernen Hütten duftet es nach Zimt, Glühwein, orientalischen Gewürzen und frisch gebackenen Crêpes.
Alternative zum Christkindlmarkt
Das Winter-Tollwood versteht sich als alternative Weihnachtstradition – weniger Kommerz, mehr Kultur.
Statt Plastikdeko und Massenware gibt es hier handgefertigte Produkte, Bio-Küche und inspirierende Begegnungen.
Silvester auf dem Tollwood
Besonders beliebt ist das Silvesterfestival: Livemusik, DJ-Sets, Theater und das große Mitternachts-Feuerwerk über der Theresienwiese schaffen einen Jahresabschluss, den man so schnell nicht vergisst.
6. Kunst mit Haltung – Engagement für Umwelt & Gesellschaft
Das Tollwood nutzt seine Popularität, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Jedes Jahr steht unter einem gesellschaftlichen Leitmotiv, das sich in Ausstellungen, Aktionen und Installationen widerspiegelt.
Beispiele vergangener Themen:
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„Mensch und Umwelt – eine Zukunft?“
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„Essen verändert die Welt“
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„Ich, Du, Wir – die Kraft der Gemeinschaft“
In Zusammenarbeit mit NGOs, Umweltverbänden und Künstlern werden Besucher auf Themen wie Klimaschutz, Artenvielfalt oder soziale Gerechtigkeit aufmerksam gemacht – ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit kreativer Kraft.
7. Für Familien und Kinder – Mitmachen erwünscht
Das Tollwood ist auch ein Paradies für Kinder. Es gibt zahlreiche Mitmachaktionen, Bastelzelte, Umweltspiele, Theaterstücke und Workshops, die kindgerecht Themen wie Recycling oder Natur begreifbar machen.
Im Kinderzelt können kleine Besucher malen, werkeln, tanzen oder an Mini-Theaterprojekten teilnehmen – kostenlos oder gegen eine kleine Spende.
8. Das Tollwood als Symbol für München
Das Tollwood ist heute fester Bestandteil der Münchner Identität – wie das Oktoberfest oder die Dulten, aber mit einem ganz anderen Geist.
Es steht für:
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Offenheit und Toleranz
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kulturelle Vielfalt
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nachhaltiges Denken
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Lebensfreude und Gemeinschaft
Das Festival spiegelt die Seite Münchens, die oft übersehen wird: die kreative, weltoffene, progressive Stadt, die Tradition nicht verneint, sondern weiterdenkt.
9. Praktische Tipps für den Besuch
Anreise:
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Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tollwood ideal erreichbar.
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Sommer: U3 Olympiazentrum
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Winter: U4/U5 Theresienwiese
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Eintritt:
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Der Zutritt zum Gelände ist kostenlos.
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Nur bestimmte Veranstaltungen in der Musik-Arena oder im Theaterzelt sind ticketpflichtig.
Beste Besuchszeit:
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Frühabends unter der Woche ist es ruhiger, am Wochenende pulsiert das Gelände.
Tipp:
Wer das besondere Flair sucht, sollte das Tollwood bei Sonnenuntergang erleben – wenn die bunten Lichter angehen und sich die Atmosphäre magisch verdichtet.
10. Fazit – Ein Stück München, das die Welt verbindet
Das Tollwood ist mehr als ein Festival – es ist ein Gefühl.
Es ist die Idee, dass Kultur, Nachhaltigkeit und Freude zusammengehören.
Es ist der Beweis, dass man feiern und trotzdem nachdenken kann, dass Genuss und Bewusstsein keine Gegensätze sind.
Zwischen Bio-Bratwurst und afrikanischem Trommelrhythmus, zwischen Kunstperformance und Feuerwerk entsteht jedes Jahr aufs Neue dieser besondere Moment, in dem München zur Weltstadt mit Herz wird – im besten Sinne des Wortes.
Wer das Tollwood einmal erlebt hat, kommt wieder. Und versteht: Hier geht es nicht nur um Unterhaltung – hier geht es um Haltung.